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Die Guggenberg von Riedhofen

(seit 1299)

700 Jahre Hof- und Familiengeschichte

Dr. Paul von Guggenberg

 © Ferrari – Auer (Bozen - Südtirol) 2003

 

 

 VORWORT DES AUTORS

 

Die Existenz eines jeden einzelnen steht in Verbindung mit seinen Vorfahren und ist in einer Familie auf einen, mit anderen gemeinsamen, bekannten Stammvater zurückzuführen. Dieses Bewusstsein bewog mich zur vorliegenden Arbeit. Dabei ist es gelungen, alle Nachkommen des Stammvaters der Familie von Guggenberg mit ihren persönlichen Daten und den Umrissen ihres Lebensweges ausfindig zu machen. Das Buch berichtet von der Herkunft eines jeden, von seinem Leben und den Spuren, die er in der Geschichte der Familie hinterlassen hat. In diesem Sinne soll dies ein Buch gegen das Vergessen sein. Das Buch soll über eine reine Genealogie der Familie hinausführen, um letztlich, als etwas Beständiges, deren geistiges Erbe hervorzuheben. Es besteht eine Sehnsucht nach geistiger Orientierung durch vorbildgebende Personen. So schätzen Menschen gerade auch Vorbilder, die aus der eigenen Herkunftsfamilie stammen.

 

Familiengeschichte kann das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, auch das Pflichtgefühl und die Dankbarkeit anregen. Es ist eine gemeinsame Vergangenheit und eine Geschichte, die Familiengemeinschaft schafft. Das Bewusstsein, dass die Familie, der wir angehören, über eine Geschichte verfügt, kann im Leben eine Stütze sein. In bestimmten Momenten und Zeiten erfassen wir, dass es eine Quelle der Kraft sein kann, das aus der Vergangenheit Überlieferte auch widrigen Umständen zum Trotz fortzuführen. Wir können unsere Herkunft nicht verleugnen - ist es doch so, dass wir gewissermaßen bis in die Linien unserer Fingerspitzen die Geschichte unserer Vorfahren in uns tragen. Jeder steht in seiner heutigen äußeren und inneren Form auf den Schultern seiner Vorfahren.

 

Dazu Pater Henri Boulad S. J.: „Jeder von uns wird von der Gesamtlinie seiner Ahnen getragen. Hierbei handelt es sich nicht um eine symbolische, figurative Sprache, sondern um ein reelles Faktum. Alle Toten leben wirklich, und sie leben fort in uns. Es wäre daher gegen die menschliche Natur, würden wir unsere Tradition wegwerfen, als wäre der Mensch, wenn er den Erdboden betritt, eine tabula rasa, ein unbeschriebenes Blatt.“

 

Das vorliegende Buch kann, abgesehen von einigen Ausnahmen, nicht mit großen Ereignissen und berühmten Persönlichkeiten aufwarten. Es wäre allerdings irrig zu glauben, den Wert eines Menschen bestimme, was er hat oder etwa, was er ist, kommt es doch vielmehr darauf an, wie er etwas hat, wie er ist und wie er die vom Schicksal gestellten Aufgaben meistert. Die Biographie der Angehörigen der Familie nahm infolge äußerer oder persönlicher Umstände nicht selten eine dramatische Wende, da und dort auch durch frühen Tod. Wir begegnen in dem Buch an mancher Stelle auch der tragischen Seite unserer Existenz.

 

Und wieder Boulad: „Es mag ein abverlangtes Selbstopfer sein - ein peinliches Scheitern in unserem persönlichen Leben, ein Einriss in unsere Gesundheit, eine Demütigung, die wir vor aller Welt hinnehmen müssen. (...) Jeder von uns erlebt einmal ein Versagen (...) im Leben, es gibt keine Biographie ohne diese Schiffbruch - Erfahrung. Dann magst Du Dein Scheitern als eine Katastrophe bezeichnen und vielleicht sogar aufgeben, oder Du begreifst es als Segnung und Start für alles Wesentliche."

 

So ist der Erfolg im Leben eines Menschen gewiss ein starkes Tonikum, es gibt aber andererseits eine Gnade des Misserfolges. Wir begegnen Mitgliedern der Familie, die aufs ärmste und kümmerlichste begannen, und vielleicht gerade deshalb zu überdurchschnittlichen Errungenschaften gelangt sind. Wir alle wachsen an unseren Problemen, unsere Schwierigkeiten sind mannigfaltig. Was wäre eine Biographie ohne sie?

 

Will man die Lebensgeschichte eines Menschen nachzeichnen, dann gilt es, sein Umfeld, seine Zeit und seine Herkunft zu erforschen, denn aus vielerlei Elementen bilden sich Charaktere, werden Aktionen und Reaktionen verständlich. Dabei ist der Fehler zu vermeiden, die Menschen, ihr Handeln und ihr Lassen aus heutiger Sicht zu erklären und Schlüsse zu ziehen, die der Wirklichkeit nicht entsprechen. So habe ich mich in das Lebensschicksal einzelner Mitglieder der Familie hineingelebt und dabei den Respekt davor gelernt. Keinen Menschen kennt man wirklich, ohne seine Geschichte zu kennen. Ein jeder Mensch ist ein unverwechselbares Individuum, ein Mensch mit allen Nöten und Tiefen einer ganz persönlichen Lebensgeschichte. Nur wenn man seine Geschichte kennt, kennt man einen Menschen wirklich. Jedes Schicksal geht seinen eigenen Weg, den wir nicht voraussehen können.

 

Das Wissen um die Herkunft der eigenen Familie ist nicht selbstverständlich. Gar manche gäben viel darum, hätten sie es und könnten sie es urkundlich belegen. Der Adel, das gehobene Bürgertum und die sesshaften Bauern hatten von jeher eine feste Beziehung zu ihren Ahnen. Sie fühlten sich stark verbunden mit der Geschichte ihres Landes, ihrer Stadt, ihres Dorfes. Sie entwickelten in ihrem Verwandtschaftskreis ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, und sie waren durch eine langlebige Tradition und durch die Fähigkeit, sich anzupassen und durchzuhalten, anderen voraus. Wenn die Familie, deren Geschichte den Inhalt dieses Buches bildet, nachweislich seit ca. 1500 in Tirol ansässig ist und ihre ungebrochene Kontinuität bis auf den heutigen Tag durch eine lückenlos nachweisbare Reihe von 14 Generationen bewahren konnte, dürfte dies auch auf die Verbundenheit der Menschen mit dem Heimatboden in Tirol zurückzuführen sein. Das Buch gibt jedenfalls einen Querschnitt der Verhältnisse und vielfältigen äußeren und inneren Veränderungen in ein und derselben Familie im Laufe der Generationen. Darin sehe ich eine Besonderheit des Buches.

 

Allen, die an der Entstehung und Gestaltung dieses Buches - ein jeder auf seine Weise - Anteil genommen haben, sei an dieser Stelle Dank ausgesprochen. Ganz besonders Herrn Dr. Hans Heiss, dem stellvertretenden Direktor im Südtiroler Landesarchiv, für die Durchsicht des Manuskriptes und die Überprüfung der wissenschaftlichen Grundlagen. Des weiteren Herrn Bruno Mahlknecht für die fachkundigen Nachforschungen in den Verfachbüchern des Landesgerichtes Welsberg zur Auffindung des Ursprungsortes der Familie. Herr Alois Kammerer ergänzte meine Kenntnisse durch Hinweise auf die historischen Liegenschaften im Gemeindegebiet Welsberg.

 

Mein Dank geht auch an alle jene, die mir mit Unterlagen, Hinweisen und Bildern beigestanden sind. Unter jenen, die mit ihren Überlieferungen und Erzählungen wertvolle Beiträge geleistet haben, möchte ich namentlich erwähnen: Livia Stanek, Karoline Koller (Tochter der Karoline Koller), Martha von Cordier, Martha von Hradeczky, Ernst von Hartungen, Camilla Just, Paula Jorde und Hans Stanek. Meine Söhne haben mir mit ihrer Hilfe die Arbeit erleichtert. Die Kosten für die Drucklegung des Manuskriptes konnten durch die finanziellen Beitragsleistungen zahlreicher Familienmitglieder, Freunde und Gönner getragen werden. Dank gebührt auch der Südtiroler Landesregierung, Ressort für Bildung und Kultur, für ihre finanzielle Unterstützung.

 

Vor allem aber danke ich dem Herrgott, dass er mir die Gesundheit und Kraft gegeben hat, noch im hohen Alter das Buch fertig zu stellen und in Druck zu geben.

 

 

Dr. Paul von Guggenberg

 

 

Girlan, Weihnachten 2003

 

 

 

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