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Geschichte der Familie
von Guggenberg
 

Am Eingange ins Gsiesertal (Pustertal) liegt die zur Gemeinde Taisten gehörende Fraktion Guttenberg. Dort und im nahen Orte Welsberg war schon um 1750 die Familie Guggenberg ansässig. Simon Guggenberg und Maria Guggenberg, geb. Marginter, hatten einen Sohn Athanasius Guggenberg (früher Guggenberger), geb. in Welsberg am 1.5.1736, der zu seinen ererbten Welsberger Besitzungen noch das Erbpostanwesen in Niedervintl (Untervintl) mit den Berghöfen Solern und Tanzl sowie den Ansitz Gruben und die dazu gehörigen Grundherrlichkeiten erwarb. Dieser Athanasius wurde für patriotisches Verhalten anlässlich der Durchmärsche der österreichischen Kriegstruppen von Kaiser Franz II. am 18.6.1793 in den Reichsadelstand mit dem Prädikate "von Riedhofen" erhoben. Athanasius war damals fürstlicher Brixnerischer Gerichtsanwalt und k.k. Erbpostmeister in Niedervintl und (seit 31.1.1764) mit Elisabeth Hintner vermählt. Er hatte drei Söhne. Michael, der die Meraner, Bartholomäus, der die Pustertaler, und Alois, der die Nordtiroler Linie begründete. Athanasius starb am 22.11.1795 in Welsberg.

Bartholomäus von Guggenberg, als Sohn des Athanasius am 22.8.1767 in Welsberg geboren, folgte im Jahre 1792 seinem Vater als Besitzer der Welsberger und Niedervintler Familiengüter und im Erbpostmeisteramte in Niedervintl. Er erwies sich schon in den Jahren 1796 und 1797 als glühender Patriot und erhielt im Jahre 1801 die goldene Medaille; seine Popularität im ganzen Lande erwarb er sich aber durch seine Tätigkeit im Sturmjahre 1809. Als er die ersten Nachrichten von der Kriegserklärung Österreichs an Frankreich erhielt, ließ er durch einen Trompeter die Bauern des Bezirkes aufbieten und die kleinen feindlichen Patrouillen alle abgefangen. Sein Posthaus in Niedervintl war das erste Hauptquartier des Tiroler Landsturmes. Der Kurat Georg Lantschner in dem von Niedervintl nicht weit entfernten Weitental erzählt, wie während des Mittagessens am 8.4.1809 plötzlich der Mesner von Niedervintl in den Pfarrhof Weitental gelaufen kam und ihm von Guggenberg die Botschaft brachte, sofort den Landsturm zu versammeln.

In der Folgezeit wurde Guggenberg zum provisorischen Richter seines Defensionsbezirkes erwählt und machte sich besonders um die Organisierung des Sturmaufgebotes sowie um die Beschaffung und den Nachschub der Verpflegung und des Mannschaftsersatzes verdient. Von Andreas Hofer zum Kommandanten des Landgerichtes Mühlbach ernannt, sperrte er mit seinen Sturmmannschaften am 5.8.1809 alle Zugänge vom Brenner ins Pustertal ab und verhinderte dadurch, dass die Franzosen und Sachsen den Tiroler Sturmmannschaften in der Sachsenklemme in den Rücken fielen.

Im Posthause Guggenbergs ereignete sich am 31.7.1809 die bekannte Szene: Die letzten österreichischen Truppen hatten eben das Dorf Niedervintl nach einem "harten" Abschied von Guggenberg verlassen, um sich nach Kärnten zurückzuziehen, als hinter dem Militär ein Leiterwagen auftauchte, auf dem Josef Speckbacher, Anton Aschbacher, Jakob Siberer und Franz Frischmann saßen. Da kam vom Süden her ein Wägelchen angefahren, in dem sich Andreas Hofer mit Josef Eisenstecken befand. Als Hofer den Speckbacher, der landflüchtig werden wollte, erblickte, sprang er aus dem Wagen und fuhr den "Speck" an: "Josef, Josef, Du willst mich im Stiche lassen? Sie führen Dich in die Schande". Speckbacher stutzte einen Augenblick, dann sprang er, ohne Hut und ohne Mantel, aus dem Wagen und rannte, seinen geliebten Stutzen fest umklammernd, wie toll in die Gegend, von wo er gekommen. "Nu, nu", maulte Hofer und fuhr langsam nach. Zwei Tage später kam der Finanzrat Dr. Josef Rapp, auf der Rückseite von Sachsenburg nach Innsbruck, zu Guggenberg, der ihm erzählte, dass Hofer, der von Guggenberg wiederholt zum weiteren Ausharren aufgemuntert wurde, schon sein Hauptquartier in Sterzing aufgeschlagen habe. Als am 28. September 1809 der Major Jakob Siberer durch Niedervintl durchreiste, zeigte er dem Guggenberg den eigenhändigen Brief des Kaisers an Hofer, die große goldene Medaille und die 6.000 Golddukaten, die der Kaiser durch ihn dem Sandwirt sandte. Guggenberg, den Hormayr einen "biederen, jovialen Simon" nennt, bemühte sich nach der Abtretung Tirols an Bayern sehr um die Organisation des Kurier- und Verbindungsdienstes, namentlich im Rücken der feindlichen Okkupationstruppen und wurde deshalb von den Bayern geheim, aber scharf bewacht (März 1811). Am 12.2.1814 unterzeichnete er zu Bruneck mit mehreren Gleichgesinnten die denkwürdige Bittschrift an den Kaiser um Wiedervereinigung Tirols mit Österreich, die dem Kaiser am 14. Februar überreicht wurde. Der Kaiser zeichnete den wackeren Mann, der von Andreas Hofer gerne zu Rate gezogen wurde, mit der kleinen goldenen Zivilehrenmedaille aus. Bartholomäus, der seit 21.10.1791 mit der schönen Sterzinger Wirtstochter Kreszenz Nagele, geb. 12.11.1766 in Sterzing, gest. 28.3.1855 in Untervintl, vermählt war, starb zu Niedervintl am 8.8.1835. Im November 1909 in Niedervintl an seinem Wohnhause eine Gedenktafel für ihn errichtet. Sein Porträt, von der Meisterhand Josef Schretters gemalt, hängt in der Heldengalerie des Berg-Isel-Museums. In der Literatur wird er manchmal als Tiroler "Bauernkönig" bezeichnet. Vermutlich von einem nahen Verwandten herausgegeben, erschien 1895 in Königgrätz (Selbstverlag, Druck Perino) ein kleines Büchlein "Barlmä von Guggenberg-Riedhofen, Postmeister in Niedervintl und Landesdefensionsrichter des Bezirkes Niedervintl im J. 1809" (Kriegsarchiv Wien, Bibl. Sign. S-II-g-68).

Dr. Michael von Guggenberg, geboren als ältester Sohn des Athanasius im Jahre 1764 in Welsberg, wurde Arzt in Meran und starb dort am 10.11.1808, erlebte also den Heldenkampf 1809 nicht mehr. Seine Witwe Anna, geborene von Knillenberg zu Reichenbach (geb. 1768, gest. in Meran, 18.10.1840), muss eine mutige Frau gewesen sein, denn der Priester Josef Danej erzählt, dass sich Anna, deren Gatte mit Andreas Hofer, durch einen mehrere Jahre dauernden Wein- und Branntweinhandel gut bekannt war, im Auftrage des französischen Generals Johann Bapt. Ruska, begleitet von ihrem Schwager, dem Richter von Schenna, Alois von Guggenberg, zu Andreas Hofer nach Passeier begeben habe, um ihn im Auftrage des Generals zu dessen Mittagstafel einzuladen. Hofer empfing Frau von Guggenberg, die als eine Frau mit großem Geistesgaben geschildert wird, sehr freundlich, erklärte ihr aber, er könne der Einladung nach Meran nicht Folge leisten, da er sonst von seinen Landsleuten als Verräter an dem neuen Kampfplan bezeichnet werden könnte (14.11.1809). Von den drei Söhnen des Michael wurde Ignaz Landrichter in Lana, Josef Valentin Domherr in Salzburg und Nikolaus Severin, geb. Meran 1805, gest. Meran 1833, Arzt in Meran. Die Söhne des Ignaz wurden Priester. Die Meraner Linie ist im Mannesstamme erloschen.

Dr. Alois Anton von Guggenberg, geboren als Sohn des Athanasius am 17.6.1782 in Welsberg, widmete sich dem Gerichtsdienste und wurde Land- und Patrimonialrichter in Schenna, Silz, Telfs, Hortenberg, Schlossberg und Mieders. Er war mit Aloisia von Pernwerth vermählt und, wie seine Brüder, österreichisch gesinnt. Da er aber der gemäßigten Partei der Tiroler (1809) angehörte, wurde er, als er zum Frieden mahnte, einmal einen Tag lang (Nacht vom 8. zum 9.11.1809) eingesperrt. Als Alois als Ziviladjunkt anfangs Dezember 1813 von Bruneck nach Silz, versetzt wurde und die Reise dahin unternahm, kam er in Sterzing dazu, wie die Bauern eben den missliebigen bayrischen Landrichter Förg arretierten und in Sterzing sah er die Verhaftung des dortigen Landrichters Desch (10.12.1813). In Schönberg ließ ihn der Bauernposten nur passieren, nachdem Guggenberg geschworen hatte, von dem Gesehenen in Innsbruck nichts zu erzählen (Dezemberaufstand 1813). Alois machte sich in Innsbruck später sehr um die Gründung des Ferdinandeums verdient, verbrachte seine letzten Lebensjahre bei seinem Sohne Josef von Guggenberg (geb. 1816, gest. 10.6.1877 in Hall), Stadtkämmerer in Hall, wo er am 7.2.1865 starb.

Von der Pustertaler Linie wollen wir hier erwähnen den Sohn des Bartholomäus, den Bezirksarzt Dr. med. Franz (geb. 13.10.1808 in Niedervintl), der den Ansitz Seeburg (bei Brixen) erwarb, wo die Franzosen das erste Feuer anlegte, als sie am 6.12.1809 die Umgebung von Brixen durch Brand zerstörten. Franz baute den Edelsitz wieder auf, besaß auch das Haus Nr. 97 in Bruneck und starb in Brixen am 25.10.1859. Von seinen Söhnen wurde Athanas (geb. 12.10.1846 in Brixen) Generalmajor, Brigadier und Reichsratsabgeordneter. Sein tatkräftiges Wirken für seine Heimat ist noch in frischer Erinnerung. Er starb am 8.12.1920 in Brixen und wurde in Niedervintl begraben. Der Bruder des Athanas, Dr. med. Otto von Guggenberg (geb. in Brixen am 30.4.1848, gest. daselbst am 13.1.1914), begründete die berühmte Wasserheilanstalt in Brixen, wurde Bürgermeister von Brixen, Präsident des Tiroler Landeskulturrates, Landtagsabgeordneter und gilt als Pionier des Fremdenverkehrs in Brixen. Der dritte Sohn des Franz, Anton von Guggenberg, geb. 21.11.1856, gest. 20.11.1910 in Innsbruck, Gatte der Johanna Fritz (geb. 24.1.1858, gest. 15.1.1923 in Innsbruck), war Kaufmann, liberaler Gemeinderat der Stadt Innsbruck. Von Ottos Söhnen wurde Franz (geb. 1.4.1877) ebenfalls Bürgermeister von Brixen, dessen Brüder Hans und Paul wurden Ärzte.

Dem ausführlichen Stammbaume der Familie im "Genealogischen Taschenbuche der adeligen Häuser Österreichs, 1908/1909", S. 223 bis 231, entnehmen wir, dass aus diesem alten Geschlecht zwei Offizier, vier Juristen, fünf Priester und zwölf Ärzte hervorgegangen sind. Durch Heiraten wurde die Familie verschwägert mit den Tiroler Geschlechtern der Knillenberg, Knebelsberg, Anderlan, Gelmini, Partini, Sarnthein, Auerhammer, Cordier, Pernwerth und Feistenberger. Möglicherweise war auch der am 4.12.1733 mit dem Prädikate "von Guggenberg" geadelte Franz Paul Guggenberger (gest. 9.10.1753) ein Mitglied dieser Familie. Auch fehlt in der früher genannten Genealogie Ulrich von Guggenberg (geb. 1771, gest. 23.11.1838 in Welsberg) und seine inzwischen erloschene Desendenz.

Heute blüht noch die Pustertaler Linie des Geschlechtes in Brixen und Wien, das in Brixen seinen Stammsitz und in Niedervintl seine Familiengruft hat.


Quelle:
Tiroler Adler – www.tiroler-adler.org
Rudolf Granichstaedten-Czerva (1948) "Brixen - Reichsfürstentum und Hofstaat"


SONSTIGE NOTIZEN

Postmeistereien in Südtirol

"Auf der uralten Poststraße von Sterzing nach Brixen stand einst nur ein einziges Wirtshaus, der Postgasthof in Mittewald. Seit urdenklichen Zeiten sitzen die Pretz auf diesem Erbhof und üben seit 1650 in allen Generationen die Postmeisterei aus; eine echt tirolische Postmeister-Dynastie wie die Camerlander in Steinach, die Niederkircher in Zirl, die Steyrer in Bruneck, die Guggenberg in Vintl, die Eberschlager in Bozen usw."


Quelle:
Tiroler Adler – www.tiroler-adler.org


Bedeutung des Adels in der Volksgemeinschaft

"Es war versucht worden auf die Bedeutung des Adels in der Volksgemeinschaft hinzuweisen. "Volksgemeinschaft ist allerdings keine gleichgeschaltete Menschenmasse, sondern eine Einheit, gebildet durch das Zusammenwirken verschiedener, sich gegenseitig ergänzender Stände!

Politisch gefärbte Geschichtsschreibung hat das Bild des adeligen Großgrundbesitzers, des "Krautjunkers", verzerrt und auch den Adel im allgemeinen verlästert.

Gewiss hat es zu allen Zeiten und überall gute und schlechte Wirtschafter, warmfühlende Freunde und Verächter des einfachen Volkes gegeben. Über Missstände ist schon mehr als genug geschrieben worden - lassen wir auch die guten Seiten gelten!

Ich habe Beispiele adeliger Gesinnung, ritterlichen Verhaltens in den verschiedensten Verhältnissen, in Krieg und Frieden geschildert. Die Palette glänzt in bunten Farben; ich käme noch lang nicht zu Ende! Jene Geisteshaltung, auf die ich hingewiesen habe, war sicherlich nicht ohne Einfluss auf den idealistischen Zug, der aus Tirols Landesgeschichte immer wieder herausleuchtet!

Die patriarchalischen Lebensumstände der Großväterzeit sind zwar vorbei, der Adel selbst ist durch die nivellierende Welle der Zeitströmung um jeden Einfluss gekommen, immer aber wird man der Leute bedürfen, denen das Gemeinwohl wichtiger ist als eigener Gewinn!

Größe und Gesinnung ist nicht Eigenschaft einer bestimmten Kaste; häufiger wird man sie jedoch in Kreisen finden, die sich ihrer Überlieferung bewusst sind!

Wie hoch Menschen adeliger Prägung auch heute noch geschätzt sind, wurde u.a. ausgesprochen und bekräftigt, als am 9. Jänner 1971 in Brixen am Eisack ein Mann gestorben war, den "seine weltmännische Haltung, gediegene Geistesbildung und Verbundenheit mit der Heimat als Vertreter besten Tiroltums und als nimmermüden Verfechter der unvergänglichen Idee des Landes Tirol gekennzeichnet haben". Diese Worte galten dem dahingeschiedenen Mitbegründer der Südtiroler Volkspartei im Jahre 1945, dem am 28. August 1887 zu Brixen geborenen Dr. Otto von Guggenberg.

"Durch seine altösterreichische Toleranz und Vornehmheit war er der richtige Mann, um bei schwierigen politischen Verhandlungen in Paris, Rom und Wien mit Fingerspitzengefühl und Takt die Ansprüche der Südtiroler auf ihr Lebensrecht geschickt und erfolgreich zur Geltung zu bringen."

Wörtlich aus dem Nachruf der Tiroler Tageszeitung, Nr. 7 vom 11.1.1971
 


Quelle:
Tiroler Adler – www.tiroler-adler.org